Was ist Tankwagenreinigung?
Unter Tankwagenreinigung versteht man die standardisierte Innenreinigung von Tanks, Leitungen, Armaturen, Schläuchen und Zubehörteilen von Transportfahrzeugen. Die Reinigung erfolgt in spezialisierten Tankreinigungsanlagen und wird abhängig vom zuvor transportierten Produkt durchgeführt.
Typische Transportgüter sind:
- Lebensmittel und Getränke
- Milch und Molkereiprodukte
- Speiseöle und Fette
- Chemikalien
- Lösemittel
- Mineralölprodukte
- Futtermittel
- Pulver- und Schüttgüter
Je nach Verschmutzungsgrad kommen unterschiedliche Reinigungsverfahren zum Einsatz, beispielsweise:
- Heißwasserreinigung
- Dampfreinigung
- Alkalische Reinigung
- Saure Reinigung
- Mehrstufige Spülprozesse
Die durchgeführten Reinigungsschritte werden üblicherweise dokumentiert und durch standardisierte Reinigungsbescheinigungen nachgewiesen.
Wie entsteht Abwasser in der Tankwagenreinigung?
Abwasser entsteht während nahezu aller Reinigungsschritte.
Wesentliche Quellen sind:
- Vorspülung zur Entfernung grober Produktrückstände
- Hauptreinigung mit Reinigungsmitteln
- Nachspülung zur Entfernung von Reinigungschemikalien
- Reinigung von Schläuchen, Ventilen und Domdeckeln
- Außenreinigung von Fahrzeugen und Verkehrsflächen
Die Zusammensetzung des Abwassers hängt stark von den transportierten Stoffen ab.
Transportgut und deren typische Belastungen:
Lebensmittel: Hoher CSB, Fette, Eiweiße, Zucker
Speiseöle: Fette, Öle, Emulsionen
Chemikalien: Schwankende pH-Werte, Tenside, Salze
Mineralölprodukte: Kohlenwasserstoffe, Öle, Leichtflüssigkeiten
Futtermittel: Organische Feststoffe, Stickstoffverbindungen
Dadurch entstehen häufig stark schwankende Abwasserfrachten, die eine flexible Behandlung erfordern.
Welche Aufgaben/Ziele erfüllt die Behandlung?
Die Behandlung von Tankreinigungsabwasser verfolgt mehrere Ziele:
- Reduzierung des chemischen Sauerstoffbedarfs (CSB)
- Entfernung von Fetten, Ölen und Kohlenwasserstoffen
- Abtrennung von Schwebstoffen und Sedimenten
- Neutralisation saurer oder alkalischer Abwässer
- Verringerung der Tensidbelastung
- Schutz biologischer Reinigungsstufen
- Einhaltung behördlicher Einleitbedingungen
- Ermöglichung von Wasserrecycling und Kreislaufführung
Besonders wichtig ist die Reduzierung von Lastspitzen, da stark schwankende Abwasserzusammensetzungen nachgeschaltete Behandlungsanlagen belasten können.
Wie funktioniert die Behandlung?
Die Behandlung erfolgt meist in mehreren aufeinander abgestimmten Verfahrensschritten.
1. Vorbehandlung
Zunächst werden die Abwasserströme hydraulisch ausgeglichen und homogenisiert.
Typische Verfahrensschritte:
- Ausgleichs- und Speicherbecken
- Siebung und Grobstoffabscheidung
- Schlammfang
- Leichtflüssigkeitsabscheider
Leichtflüssigkeitsabscheider entfernen freie Öle und Kohlenwasserstoffe aus dem Abwasser.
2. Physikalisch-chemische Behandlung
Anschließend erfolgt die Entfernung fein verteilter und gelöster Stoffe.
Typische Verfahren:
- Neutralisation
- Fällung
- Flockung
- Druckentspannungsflotation (DAF)
Bei der DAF-Flotation haften Mikroblasen an den gebildeten Flocken und transportieren diese an die Wasseroberfläche, wo sie abgeschöpft werden können.
3. Biologische Behandlung
Für biologisch abbaubare organische Belastungen werden häufig aerobe Verfahren eingesetzt.
Typische Technologien:
- Belebtschlammverfahren
- Biofilmverfahren
- Membranbioreaktoren (MBR)
Diese Verfahren reduzieren insbesondere CSB-, BSB₅- und Stickstofffrachten.
4. Nachbehandlung
Je nach geforderter Ablaufqualität können weitere Verfahrensschritte folgen:
- Sandfiltration
- Aktivkohleadsorption
- Membranfiltration
- Umkehrosmose
Diese Stufen werden insbesondere für Wasserrecycling und Water-Reuse-Anwendungen eingesetzt.
Welche Stoffe bzw. Parameter sind typisch?
Bei der Tankwagenreinigung sind folgende Parameter besonders relevant:
CSB: Gesamtbelastung durch oxidierbare organische Stoffe
BSB₅: Biologisch abbaubarer Anteil der Organik
pH-Wert: Maß für saure oder alkalische Belastungen
Tenside: Bestandteile von Reinigungsmitteln
Fette und Öle: Produkt- und Reinigungsrückstände
AFS: Abfiltrierbare Stoffe bzw. Schwebstoffe
Stickstoff: Organische oder anorganische Stickstoffverbindungen
Leitfähigkeit: Hinweis auf Salz- und Chemikalienfrachten
Entsorgung und Wiederverwendung
Nach der Behandlung erfolgt die Einleitung entweder als:
- Indirekteinleitung in die öffentliche Kanalisation
- Direkteinleitung in ein Gewässer
Die jeweilige Einleitungsart bestimmt die erforderliche Ablaufqualität.
Schlämme, Ölabscheiderinhalte und sonstige Rückstände werden getrennt erfasst und entsprechend den geltenden Vorschriften entsorgt.
In modernen Tankreinigungsanlagen gewinnt die Wasserwiederverwendung zunehmend an Bedeutung. Durch zusätzliche Filtrations- und Membranverfahren kann aufbereitetes Wasser beispielsweise für Vorreinigungen oder technische Spülprozesse erneut genutzt werden. Dadurch lassen sich Frischwasserverbrauch und Abwassermengen reduzieren.
Industrielle Herausforderungen
Die Tankwagenreinigung stellt Betreiber aufgrund wechselnder Transportgüter, hoher Wasserverbräuche und steigender Umweltanforderungen vor vielfältige Herausforderungen bei der industriellen Abwasserbehandlung.
Schwankende Belastungen durch unterschiedliche Transportgüter
Die Zusammensetzung der Reinigungsabwässer variiert je nach transportierten Lebensmitteln, Chemikalien, Mineralölprodukten oder Futtermitteln erheblich. Dadurch entstehen stark schwankende CSB-, pH- und Tensidfrachten, die eine stabile Prozessführung erschweren und den Chemikalienbedarf erhöhen können. Homogenisierungsbecken, Online-Monitoring und automatisierte Dosiersysteme tragen dazu bei, diese Belastungsschwankungen auszugleichen und einen sicheren Anlagenbetrieb zu gewährleisten.
Hoher Wasserverbrauch und Kreislaufführung
Mehrstufige Reinigungs- und Spülprozesse verursachen einen hohen Frischwasserbedarf und entsprechend große Abwassermengen. Dies führt zu steigenden Betriebs- und Entsorgungskosten sowie einer höheren Belastung lokaler Wasserressourcen. Moderne Wasserrecycling-Systeme, Membranverfahren und Water-Reuse-Konzepte ermöglichen eine effiziente Kreislaufführung und reduzieren den Frischwasserverbrauch nachhaltig.
Steigende Anforderungen an die Ablaufqualität
Verschärfte gesetzliche Vorgaben und höhere Anforderungen an den Gewässerschutz erfordern zunehmend leistungsfähigere Abwasserbehandlungsanlagen. Um die geforderten Einleitgrenzwerte zuverlässig einzuhalten, werden physikalisch-chemische und biologische Verfahren miteinander kombiniert und bestehende Anlagen kontinuierlich an neue Anforderungen angepasst.
Gesetzliche Anforderungen
Für Betreiber von Tankreinigungsanlagen sind verschiedene rechtliche Anforderungen relevant.
Dazu gehören insbesondere:
- Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
- Abwasserverordnung (AbwV)
- Kommunale Einleitbedingungen
- Anforderungen an Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen
- Vorgaben für Leichtflüssigkeitsabscheider nach den einschlägigen DIN-Normen
Zusätzlich bestehen Anforderungen an:
- Eigenüberwachung
- Probenahme
- Dokumentation
- Wartung und Inspektion
- Nachweisführung gegenüber Behörden
Die konkreten Anforderungen richten sich nach Art und Menge des anfallenden Abwassers sowie der jeweiligen Einleitungsart.