Abwasser aus der Getränkeherstellung behandeln – CSB, CIP-Ströme und Wasserwiederverwendung

Die Getränkeherstellung umfasst die industrielle Produktion von Bier, Softdrinks, Fruchtsäften, Mineralwasser und Spirituosen. Dabei entstehen entlang der gesamten Prozesskette große Mengen an Getränkeabwasser, das durch hohe organische Belastungen, schwankende pH-Werte und chemische Einträge aus Reinigungsprozessen geprägt ist. Eine gezielte Abwasserbehandlung ist erforderlich, um Betriebssicherheit, Ressourceneffizienz und die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen sicherzustellen.

Inhaltsverzeichnis

  • Was ist Getränkeherstellungsabwasser?

  • Wie entsteht Getränkeherstellungsabwasser?

  • Welche Aufgaben/Ziele erfüllt die Behandlung?

  • Wie funktioniert die Behandlung?

  • Welche Stoffe bzw. Parameter sind typisch?

  • Entsorgung und Wiederverwendung

  • Industrielle Herausforderungen

  • Gesetzliche Anforderungen

  • Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist Getränkeherstellungsabwasser?

Getränkeherstellungsabwasser ist industrielles Abwasser aus Produktions-, Reinigungs- und Abfüllprozessen der Getränkeindustrie. Es umfasst alle flüssigen Abfallströme, die während Herstellung, Mischung, Filtration, Reinigung und Verpackung entstehen.

Typische Quellen sind:

  • Prozesswasser aus Herstellung und Mischung
  • CIP-Reinigungsabwässer aus Cleaning-in-Place-Systemen
  • Filtrations- und Rückspülwässer
  • Produktverluste aus Abfüllung und Verpackung

Die Zusammensetzung variiert stark je nach Getränketyp, Rohstoffen und Produktionsverfahren.

Wie entsteht Abwasser in der Getränkeherstellung?

Abwasser entsteht in nahezu allen Prozessschritten der Getränkeproduktion. Besonders relevant sind Produktverluste, etwa durch Überläufe, Leckagen oder Reinigungsprozesse. Dabei gelangen Zucker, Sirup, Fruchtsäfte, Alkohol und Aromastoffe ins Abwasser und erhöhen den CSB sowie den BSB₅.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind CIP-Reinigungen. Der Einsatz von Laugen und Säuren führt zu starken pH-Schwankungen und erhöhter Salzfracht. Zusätzlich tragen Filtrationsprozesse mit Hefen, Trubstoffen, Pektinen oder Filterhilfsmitteln zur Belastung bei.

Typische Entstehungsquellen sind:

  • Produktverluste aus Herstellung, Mischung und Abfüllung
  • CIP-Reinigung mit sauren und alkalischen Medien
  • Filtration und Rückspülung mit Trubstoffen und Hilfsstoffen
  • Abfüllung und Verpackung durch Spülprozesse und Leckagen
  • Kühl- und Prozesswasser mit produktnahen Verunreinigungen

Welche Aufgaben/Ziele erfüllt die Behandlung?

Die Behandlung von Getränkeabwasser verfolgt mehrere zentrale Ziele. Im Vordergrund steht die Reduktion von CSB und BSB₅, da Zucker, Alkohol und andere organische Inhaltsstoffe zu hohen Sauerstoffzehrungen führen können.

Gleichzeitig müssen Feststoffe, Hefen und Trubstoffe entfernt werden, damit nachgeschaltete Anlagen stabil arbeiten. Die pH-Stabilisierung ist besonders wichtig, weil CIP-Abwässer stark saure oder alkalische Teilströme erzeugen können. Ergänzend werden gelöste organische Inhaltsstoffe, Aromastoffe, Stickstoff und Phosphor reduziert.

Ziel ist eine sichere Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte und eine möglichst effiziente Nutzung von Wasser und Energie.

Wie funktioniert die Behandlung?

Die Abwasserbehandlung in der Getränkeherstellung erfolgt meist mehrstufig und wird an Produktionsstruktur, Fracht und Einleitbedingungen angepasst.

Vorbehandlung

In der ersten Stufe werden grobe Bestandteile entfernt und Lastspitzen ausgeglichen:

  • Siebung oder Rechen zur Abtrennung grober Feststoffe
  • Pufferung und Homogenisierung zur Glättung hydraulischer und stofflicher Schwankungen
  • Neutralisation zur Einstellung stabiler pH-Werte

Diese Stufe ist entscheidend, um die nachfolgenden biologischen Prozesse vor Stoßbelastungen zu schützen.

Chemisch-physikalische Behandlung

Je nach Abwasserzusammensetzung werden zusätzliche Trennverfahren eingesetzt:

  • Flotation (DAF) zur Abtrennung von Fetten, Ölen und feinverteilten Partikeln
  • Fällung/Flockung zur Bildung abtrennbarer Flocken
  • Sedimentation zur Abscheidung schwerer Partikel

Insbesondere bei trubstoff- oder aromastoffreichen Abwässern kann diese Stufe die biologische Behandlung deutlich entlasten.

Biologische Behandlung

Da viele Inhaltsstoffe biologisch gut abbaubar sind, spielt die biologische Reinigung eine zentrale Rolle:

  • Aerobe Verfahren wie Belebtschlamm oder MBR
  • Anaerobe Verfahren bei hohen CSB-Frachten mit Biogasgewinnung

Anaerobe Systeme können besonders wirtschaftlich sein, wenn große Mengen leicht abbaubarer organischer Stoffe anfallen.

Nachbehandlung

Bei höheren Anforderungen an Ablaufqualität oder Wiederverwendung kommen zusätzliche Verfahren zum Einsatz:

  • Filtration zur Feinreinigung
  • Aktivkohle zur Entfernung organischer Spurenstoffe
  • weitergehende Aufbereitung für Water Reuse

Welche Stoffe bzw. Parameter sind typisch?

Abwasser aus der Getränkeherstellung weist typische Belastungsparameter auf:

  • hoher CSB und BSB₅ durch Zucker, Alkohol und organische Inhaltsstoffe
  • schwankender pH-Wert durch CIP-Prozesse
  • Suspensionsstoffe wie Hefen, Trubstoffe und Pektine
  • Fette, Öle und Aromakomponenten
  • Stickstoff- und Phosphorverbindungen
  • gelöste Salze aus Reinigungschemikalien

Die Belastung unterscheidet sich je nach Produktionsbereich deutlich, etwa zwischen Brauerei, Fruchtsaftproduktion, Softdrinkherstellung oder Spirituosenproduktion.

Entsorgung und Wiederverwendung

Die Entsorgung erfolgt abhängig vom Behandlungsgrad und der vorhandenen Infrastruktur. Übliche Wege sind:

  • Indirekteinleitung in kommunale Kläranlagen
  • Direkteinleitung bei vollständiger betrieblicher Reinigung
  • anaerobe Nutzung hochbelasteter Ströme zur Energiegewinnung

Die Wiederverwendung von behandeltem Wasser gewinnt zunehmend an Bedeutung. Mögliche Anwendungen sind:

  • Betriebswasser für Reinigungsprozesse
  • Einsatz in Kühl- und Versorgungssystemen
  • teilweise Kreislaufführung innerhalb technischer Prozesse

Eine Nutzung als Trinkwasser ist in der Regel nicht vorgesehen.

Industrielle Herausforderungen

Die Getränkeindustrie steht bei der Abwasserbehandlung vor mehreren branchentypischen Herausforderungen. Besonders relevant sind stark schwankende Abwasserbelastungen, die durch Produktwechsel, Chargenbetrieb und saisonale Produktion entstehen.

Weitere zentrale Herausforderungen sind:

  • hohe CSB-Frachten durch Zucker, Sirup und Alkohol
  • hoher Wasserverbrauch in Reinigung, Spülung und Abfüllung
  • CIP-Prozesse als Hauptquelle für pH-Schwankungen und Salzfrachten
  • Vermeidung von Produktverlusten zur Senkung von Betriebskosten
  • steigende Anforderungen an Wasserwiederverwendung
  • Energieoptimierung durch anaerobe Prozesse und Biogasgewinnung
  • strengere Grenzwerte und steigende Einleitkosten

Diese Anforderungen machen flexible, robuste und gut steuerbare Behandlungskonzepte notwendig.

Gesetzliche Anforderungen

Für Abwasser aus der Getränkeherstellung gelten verschiedene rechtliche Vorgaben:

  • Abwasserverordnung (AbwV) für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie
  • Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
  • kommunale Einleitbedingungen

Überwacht werden insbesondere:

  • CSB und BSB₅
  • pH-Wert
  • abfiltrierbare Stoffe
  • Stickstoff und Phosphor

Die konkreten Grenzwerte richten sich nach Standort, Einleitart und Genehmigungsbescheid.

Fazit

Abwasser aus der Getränkeherstellung ist durch hohe organische Belastungen, wechselnde Produktionsbedingungen und Reinigungschemikalien geprägt.

Durch den kombinierten Einsatz mechanischer, physikalisch-chemischer und biologischer Verfahren lassen sich CSB-Frachten reduzieren, Lastschwankungen ausgleichen und gesetzliche Einleitvorgaben zuverlässig erfüllen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Belastungen sind typisch für Abwasser aus der Getränkeherstellung?

Typisch sind hohe organische Frachten durch Zucker, Alkohol und Fruchtsubstanzen, ergänzt durch Feststoffe, pH-Schwankungen und chemische Einträge aus Reinigungsprozessen.

Warum schwankt die Abwasserzusammensetzung stark?

Die Schwankungen entstehen durch Produktwechsel, diskontinuierliche Produktion und CIP-Reinigungen, die wechselnde organische und chemische Belastungen erzeugen.

Welche Verfahren werden typischerweise eingesetzt?

Üblich ist eine Kombination aus mechanischer Vorbehandlung, Flotation, biologischer Behandlung und bei Bedarf weitergehender Aufbereitung.

Wann ist eine anaerobe Behandlung sinnvoll?

Eine anaerobe Behandlung ist besonders sinnvoll bei hohen CSB-Konzentrationen, da organische Stoffe abgebaut und gleichzeitig Biogas zur Energiegewinnung erzeugt werden kann.

Welche Grenzwerte sind einzuhalten?

Maßgeblich sind die Abwasserverordnung und lokale Einleitbedingungen, insbesondere für CSB, BSB₅, pH-Wert, Feststoffe und Nährstoffe.

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