Was ist Transportabwasser?
Transportabwasser umfasst sämtliche Abwasserströme, die bei der Reinigung und Instandhaltung von Transportmitteln entstehen.
Dazu gehören unter anderem:
- Pkw-, Lkw- und Buswaschanlagen
- Schienenfahrzeug- und Zugwaschanlagen
- Werkstätten für Fahrzeuge und Bahnen
- Hafen- und Umschlaganlagen
- Schiffsreinigung und Deckwäsche
- Tank- und Betankungsbereiche
Die Zusammensetzung des Abwassers hängt stark vom jeweiligen Verkehrssegment, den eingesetzten Reinigungsmitteln und den anhaftenden Verschmutzungen ab.
Wie entsteht Transportabwasser?
Transportabwasser entsteht in unterschiedlichen Prozessen:
Fahrzeug- und Zugwäsche
Bei der Außen- und Unterbodenwäsche werden Schmutz, Staub, Reifenabrieb, Bremsabrieb, Ölrückstände und Streusalz von den Fahrzeugoberflächen entfernt.
Werkstattbetrieb
In Werkstätten gelangen Schmierstoffe, Hydrauliköle, Kraftstoffreste, Kühlmittel und Metallpartikel in die Abwasserströme.
Innenreinigung
Die Reinigung von Fahrgastbereichen erzeugt Abwasser mit Tensiden, Reinigungsmitteln und teilweise Desinfektionsmitteln.
Schifffahrt und Hafenbetrieb
Hier entstehen unter anderem:
- Deckwaschwasser
- Bilgenwasser aus Maschinenräumen
- Umschlagsabwässer aus Hafenbereichen
Bilgenwasser ist ein ölhaltiges Gemisch aus Wasser, Schmierstoffen und Betriebsstoffen, das sich im unteren Bereich eines Schiffes sammelt.
Winterbetrieb
Im Winter gelangen erhöhte Mengen an Chlorid und Sulfat durch Streusalz sowie Straßenablagerungen in das Abwasser.
Welche Aufgaben/Ziele erfüllt die Behandlung?
Die Behandlung von Transportabwasser verfolgt mehrere Ziele:
- Entfernung von Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW)
- Reduktion abfiltrierbarer Stoffe (AFS)
- Verringerung des chemischen Sauerstoffbedarfs (CSB)
- Entfernung von Tensiden und Reinigungschemikalien
- Rückhalt von Schwermetallen
- Stabilisierung des pH-Werts
- Einhaltung von Einleitgrenzwerten
- Ermöglichung von Wasserrecycling und Kreislaufführung
Wie funktioniert die Behandlung?
Die Aufbereitung erfolgt meist mehrstufig.
1. Vorbehandlung
Zunächst werden grobe Feststoffe entfernt.
Typische Verfahren sind:
- Siebe
- Rechen
- Sandfang
- Absetzbecken
Freie Öle werden anschließend in Leichtflüssigkeitsabscheidern nach DIN EN 858 abgeschieden.
2. Chemisch-physikalische Behandlung
Emulsionsspaltung
Viele Waschchemikalien enthalten Tenside, die Öl-Wasser-Emulsionen stabilisieren. Durch eine
gezielte pH-Wert-Anpassung und die Dosierung geeigneter Fällungs- und Flockungsmittel werden
diese Emulsionen aufgebrochen.
Fällung und Flockung
Gelöste oder fein verteilte Stoffe werden in größere Flocken überführt.
Sedimentation
Schwere Partikel und Flocken setzen sich aufgrund der Schwerkraft ab.
Flotation (DAF)
Bei der Druckentspannungsflotation werden feine Luftblasen erzeugt, die Öltröpfchen und leichte Partikel an die Oberfläche transportieren.
3. Filtration
Zur Feinreinigung werden häufig eingesetzt:
- Sandfilter
- Mehrschichtfilter
- Scheibenfilter
- Ultrafiltration
4. Nachbehandlung
Abhängig von den Anforderungen können zusätzliche Verfahren folgen:
- Aktivkohleadsorption
- Ionenaustausch
- TeilentsalzungpH-Wert-Korrektur
-
pH-Wert-Korrektur
Welche Stoffe bzw. Parameter sind typisch?
Parameter und deren typischen Herkunft
- MKW: Kraftstoffe, Schmierstoffe, Hydrauliköle
- AFS: Staub, Sand, Reifen- und Bremsabrieb
- CSB: Tenside, Reinigungsmittel, organische Stoffe
- Schwermetalle: Abrieb und Korrosion
- Tenside: Wasch- und Reinigungschemikalien
- Chlorid: Streusalz
- Sulfat: Straßen- und Infrastrukturablagerungen
- Leitfähigkeit: Gelöste Salze
- pH-Wert: Reinigungschemikalien und Prozessführung
Entsorgung und Wiederverwendung
Aufbereitetes Transportabwasser kann häufig wiederverwendet werden.
Typische Anwendungen sind:
- Vorwäsche
- Unterbodenwäsche
- Vorspülprozesse
- Technische Reinigungsstufen
Moderne Kreislaufwassersysteme kombinieren häufig:
- Sedimentation
- Flotation
- Filtration
- Membranfiltration
Dadurch kann der Frischwasserbedarf deutlich reduziert werden.
Industrielle Herausforderungen
Wasserrecycling bei steigender Wasserknappheit
Problem: Hoher Wasserverbrauch in Waschanlagen.
Ursache: Große Wassermengen für Fahrzeug- und Zugreinigung.
Auswirkung: Steigende Kosten und zunehmender Ressourcendruck.
Technische Konsequenz: Höhere Anforderungen an Kreislaufsysteme.
Lösungsansatz: Mehrstufige Aufbereitung mit Filtration, Flotation und Membrantechnik.
Hohe Salzfrachten im Winterbetrieb
Problem: Erhöhte Chloridkonzentrationen.
Ursache: Streusalzeinsatz im Straßen- und Schienenverkehr.
Auswirkung: Korrosion und eingeschränkte Wiederverwendbarkeit des Wassers.
Technische Konsequenz: Höhere Anforderungen an Werkstoffe und Aufbereitung.
Lösungsansatz: Teilstrombehandlung, Überwachung der Leitfähigkeit und angepasste Kreislaufführung.
Schwankende Belastungen
Problem: Starke Lastschwankungen.
Ursache: Unterschiedliche Fahrzeugtypen, Verschmutzungsgrade und Wetterbedingungen.
Auswirkung: Instabile Reinigungsleistung.
Technische Konsequenz: Bedarf an Pufferkapazitäten und Prozessüberwachung.
Lösungsansatz: Ausgleichsbehälter, Online-Monitoring und automatische Dosiersteuerungen.
Gesetzliche Anforderungen
Für Transportabwasser gelten abhängig vom Standort und der Art der Einleitung verschiedene rechtliche Anforderungen.
- Relevant sind insbesondere:
- Abwasserverordnung (AbwV)
- Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
- kommunale Einleitbedingungen
- landesspezifische wasserrechtliche Vorgaben
- Gefahrstoff- und Abfallrecht für Schlämme und Ölfraktionen
Die konkreten Grenzwerte werden in der Regel durch die zuständige Behörde oder den Kanalnetzbetreiber festgelegt.