Papierfabrikabwasser effizient behandeln – Leitfaden für die Abwassertechnik

Papierfabrikabwasser entsteht in nahezu allen Prozessschritten der Papier- und Zellstoffproduktion und weist eine komplexe Zusammensetzung aus organischen, mineralischen und chemischen Bestandteilen auf. Für Betreiber von Abwasseranlagen ist es entscheidend, diese spezifischen Belastungen zu verstehen, da unbehandeltes Abwasser zu erhöhtem Sauerstoffbedarf, Feststoffeinträgen und Farbbelastungen führt und damit sowohl betriebliche Abläufe als auch nachgeschaltete Klärsysteme beeinträchtigen kann.

Inhaltsverzeichnis

  • Was ist Papierfabrikabwasser?
  • Wie entsteht Papierabwasser?
  • Welche Aufgaben/Ziele erfüllt die Behandlung?
  • Wie funktioniert die Behandlung?
  • Welche Stoffe bzw. Parameter sind typisch?
  • Entsorgung und Wiederverwendung
  • Gesetzliche Anforderungen
  • Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist Papierfabrikabwasser?

Papierfabrikabwasser umfasst sämtliche Wasserströme aus der Herstellung von Papier, Karton und Zellstoff. Dazu gehören unter anderem Prozesswässer aus der Faserstoffaufbereitung, Sieb- und Presswasser der Papiermaschine sowie Reinigungs- und Spülwässer aus Anlagen und Stoffkreisläufen.

Die Belastung hängt stark vom eingesetzten Rohstoff – etwa Primärfasern oder Altpapier – sowie vom Einsatz chemischer Hilfsstoffe ab.

Entstehung und Einflussfaktoren

Die Zusammensetzung des Abwassers wird durch zahlreiche Teilströme geprägt, die im Produktionsprozess anfallen:

  • Faser- und Feinanteile aus Aufbereitung, Sortierung und Screening
  • Mineralische Füllstoffe wie Kaolin oder Calciumcarbonat
  • Beschichtungs- und Leimstoffe aus Streichprozessen
  • Gelöste organische Stoffe wie Lignin aus Holzbestandteilen
  • Reinigungs- und Spülwässer aus Maschinen und Kreisläufen
  • Chemikalienreste aus Additiven wie Stärke, Polymeren oder Entschäumern

Je nach Produkttyp – beispielsweise Verpackungspapier, grafisches Papier oder Tissue – variieren Zusammensetzung und Belastung erheblich.

Ziele der Abwasserbehandlung

Die Behandlung von Papierfabrikabwasser verfolgt mehrere zentrale Ziele, die sowohl technisch als auch regulatorisch motiviert sind. Im Fokus steht die Reduktion des CSB (Chemischer Sauerstoffbedarf), um die organische Belastung zu minimieren.

Darüber hinaus müssen abfiltrierbare Stoffe wie Fasern und Füllstoffe entfernt werden, um Ablagerungen und Prozessstörungen zu vermeiden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Reduktion von Farbanteilen, die insbesondere durch Lignin oder Pigmente verursacht werden. Ergänzend geht es um den Abbau biologisch abbaubarer und schwer abbaubarer Stoffe sowie die Stabilisierung der Ablaufwerte zur Einhaltung gesetzlicher Anforderungen.

Ein zusätzlicher Nutzen ergibt sich aus der Optimierung interner Wasserkreisläufe, wodurch der Frischwasserbedarf reduziert werden kann.

Verfahren zur Behandlung von Papierfabrikabwasser

Die Behandlung erfolgt mehrstufig und kombiniert mechanische, physikalisch-chemische und biologische Verfahren.

Vorbehandlung

In der ersten Stufe werden grobe und mineralische Bestandteile entfernt sowie Lastschwankungen ausgeglichen:

Mechanische Siebung zur Abtrennung von Faser- und Störstoffen
Sedimentation oder Sandfang zur Entfernung mineralischer Partikel
Pufferung (Equalizing) zur Homogenisierung von Abwasserströmen

Physikalisch-chemische Verfahren

Diese Stufe dient der gezielten Entfernung feiner und gelöster Stoffe:

Flotation (DAF) zur Abtrennung leichter Faser- und Pigmentpartikel mittels Mikroblasen
Sedimentation zur Entfernung schwerer mineralischer Stoffe
Fällung/Flockung zur Bündelung feiner Partikel
Entfärbungsverfahren bei farbhaltigen Abwässern

Die Kombination dieser Verfahren ist entscheidend für eine stabile Vorreinigung.

Biologische Behandlung

Die biologische Stufe übernimmt den Abbau organischer Inhaltsstoffe:

Aerobe Systeme (z. B. Belebungsverfahren oder Tropfkörper) zur Reduktion des CSB
Anaerobe Verfahren für hochbelastete Teilströme, insbesondere bei Altpapier
Nachklärung zur Abtrennung des Belebtschlamm

Nachbehandlung und Schlammmanagement

Für die Einhaltung strenger Grenzwerte werden zusätzliche Verfahren eingesetzt:

  • Filtration zur Feinreinigung
  • Aktivkohle zur Entfernung verbleibender organischer Reststoffe
  • Schlammbehandlung durch Eindickung und Entwässerung
  • Typische Parameter und Belastungen

Papierfabrikabwasser weist eine Reihe charakteristischer Parameter auf:

  • Faserstoffe und Feinanteile aus der Produktion
  • Mineralische Füllstoffe wie Calciumcarbonat und Kaolin
  • Erhöhter CSB/BSB₅ durch organische Stoffe
  • Farb- und Ligninanteile bei holzhaltigen Rohstoffen
  • Polymer- und Hilfsstoffreste aus Prozesschemikalien
  • Schwankender pH-Wert durch chemische Zusätze

Entsorgung und Wiederverwendung

Die Entsorgung erfolgt abhängig von der Anlagentechnik und den betrieblichen Anforderungen. Häufig wird das Abwasser nach Vorbehandlung indirekt in kommunale Kläranlagen eingeleitet oder in betriebseigenen Anlagen vollständig behandelt.

Zusätzlich können hochbelastete Teilströme in anaeroben Systemen zur Biogaserzeugung genutzt werden. Anfallende Schlämme werden entweder intern verwertet oder extern entsorgt.

Die Wiederverwendung spielt in der Papierindustrie eine wichtige Rolle und erfolgt vor allem innerhalb technischer Kreisläufe:

  • Nutzung von Klarwasser für Spülprozesse
  • Kreislaufführung in Papiermaschinen zur Reduktion des Frischwasserverbrauchs
  • Rückgewinnung von Faserfeinanteilen für die Produktion

Die Wiederverwendung dient ausschließlich der Prozessoptimierung und ersetzt kein Trinkwasser.

Gesetzliche Anforderungen und Grenzwerte

Für Papierfabrikabwasser gelten spezifische gesetzliche Rahmenbedingungen:

  • Abwasserverordnung (AbwV) für die Papier- und Zellstoffindustrie
  • Kommunale Grenzwerte für CSB, Feststoffe, Stickstoff, Phosphor und pH-Wert
  • Wasserhaushaltsgesetz (WHG) als rechtliche Grundlage
  • Betriebliche Umwelt- und Qualitätsstandards

Im Fokus stehen insbesondere die Parameter CSB, BSB₅, abfiltrierbare Stoffe, pH-Wert, Nährstoffe und Farbparameter.

 

Fazit:

Papierfabrikabwasser weist eine komplexe Zusammensetzung aus organischen, mineralischen und chemischen Stoffen auf und erfordert eine abgestimmte mehrstufige Behandlung. Durch die Kombination mechanischer, physikalisch-chemischer und biologischer Verfahren lassen sich Feststoffe, Farbstoffe und organische Belastungen reduzieren, Einleitvorgaben einhalten und interne Wasserkreisläufe effizient stabilisieren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Stoffe dominieren im Papierfabrikabwasser?

Dominierend sind Faserstoffe, Feinanteile, mineralische Füllstoffe sowie organische Stoffe aus Rohstoffen und Prozesschemikalien, die zusammen einen erhöhten CSB-Wert verursachen.

Warum entstehen Farbanteile im Abwasser?

Farbanteile entstehen durch Lignin, Pigmente und Druckfarbenreste, die insbesondere bei der Verarbeitung von Holz und Altpapier in das Abwasser gelangen.

Was unterscheidet Flotation von Sedimentation?

Während die Flotation leichte Partikel mithilfe von Mikroblasen an die Oberfläche transportiert, trennt die Sedimentation schwerere Stoffe durch Schwerkraftabscheidung.

Welche Vorgaben gelten für Papierfabrikabwasser?

Maßgeblich sind die Abwasserverordnung (AbwV) sowie kommunale Grenzwerte für CSB, Feststoffe, pH-Wert und Nährstoffe.

Wie wird der hohe CSB reduziert?

Die Reduktion erfolgt durch eine Kombination aus biologischen Verfahren (aerob und anaerob) sowie physikalisch-chemischer Vorbehandlung, um organische Stoffe effektiv abzubauen.

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