Was ist Lackherstellung?
Die Lackindustrie ist ein Teilbereich der chemischen Prozessindustrie und produziert flüssige, pastöse oder wasserbasierte Beschichtungsstoffe für industrielle und gewerbliche Anwendungen. Einsatzbereiche sind unter anderem Automobilindustrie, Maschinenbau, Holzverarbeitung, Verpackungsindustrie, Bauindustrie und Oberflächentechnik.
Typische Produktionsschritte sind:
- Dosieren und Rohstoffhandling
- Mischen und Dispergieren
- Mahl- und Dissolverprozesse
- Filtration und Abfüllung
- Reinigung von Behältern, Leitungen und Produktionsanlagen
Während dieser Prozesse entstehen Produktionsabwässer und Spülwässer, die organische Stoffe, Pigmente, Bindemittel, Additive und weitere schwer abbaubare Inhaltsstoffe enthalten können. Besonders in der Chargenproduktion schwankt die Zusammensetzung des Abwassers häufig stark.
Wie entsteht Abwasser in der Lackindustrie?
Abwasser aus der Lackindustrie entsteht überall dort, wo Wasser oder wässrige Reinigungslösungen mit Lackrohstoffen, Zwischenprodukten oder Produktionsrückständen in Kontakt kommen.
Typische Quellen sind:
- Behälter-, Dissolver- und Leitungsreinigung
- Spülvorgänge bei Chargen- oder Produktwechseln
- Reinigung von Misch- und Dispergieranlagen
- Austräge aus Filtrations- und Siebprozessen
- Boden- und Oberflächenreinigung in Produktionsbereichen
- Waschwässer aus Abfüll- und Transportbereichen
- Prozessabwässer aus wasserbasierten Lackrezepturen
Da in der Lackindustrie unterschiedliche Bindemittel, Pigmente, Harze, Additive und Tenside eingesetzt werden, variiert die Zusammensetzung der Abwässer häufig stark. Besonders Chargenwechsel führen zu schwankenden CSB-Werten, pH-Schwankungen und wechselnden Feststofffrachten.
Je nach Produktionsschwerpunkt enthalten die Abwässer:
- Pigmente und Farbstoffe
- Polymer- und Harzreste
- Tenside und Netzmittel
- Lösemittelspuren und VOC-belastete Bestandteile
- Schwebstoffe und Sedimente
- Silikone und Additive
- biologisch schwer abbaubare Inhaltsstoffe
Welche Aufgaben/Ziele erfüllt die Behandlung?
Die Behandlung von Abwasser aus der Lackindustrie dient der sicheren und regelkonformen Ableitung oder Wiederverwendung industrieller Abwasserströme.
Wichtige Ziele sind:
- Reduktion des CSB (Chemischer Sauerstoffbedarf)
- Entfernung von Pigmenten, Farb- und Feststoffpartikeln
- Abscheidung von Polymeren, Harzen und Additiven
- Auftrennung stabiler Öl-Wasser-Emulsionen
- Stabilisierung von pH-Werten und Prozessbedingungen
- Verringerung von Schlammmengen und Betriebsstörungen
- Einhaltung kommunaler und gesetzlicher Einleitgrenzwerte
- Vorbereitung für biologische oder membrantechnische Prozessstufen
- Reduktion des Frischwasserverbrauchs durch Kreislaufführung
Die Anforderungen an die Abwasserbehandlung variieren abhängig von:
- Produktionsverfahren
- wasserbasierten oder lösemittelhaltigen Lacksystemen
- Chargengröße
- Produktionskapazität
- lokalen Einleitbedingungen
Wie funktioniert die Behandlung?
Die Behandlung von Lackindustrie-Abwasser erfolgt in der Regel mehrstufig und kombiniert physikalische, chemisch-physikalische und biologische Verfahren.
Vorbehandlung
Bereits in der Vorbehandlung werden grobe Feststoffe und belastende Inhaltsstoffe entfernt.
Typische Verfahren:
- Grob- und Feinsiebung
- Puffer- und Ausgleichsbehälter zur Vergleichmäßigung schwankender Abwasserfrachten
- pH-Wert-Regelung
- Emulsionsspaltung zur Trennung stabiler Öl-Wasser-Gemische
- Sedimentation grober Pigment- und Feststoffanteile
Chemisch-physikalische Behandlung
Chemisch-physikalische Verfahren sind zentrale Bestandteile bei der Behandlung von Lackabwasser.
Typische Verfahrensschritte:
- Fällung und Flockung zur Bindung von Pigmenten, Polymeren und kolloidalen Stoffen
- Flotation (DAF) zur Entfernung leichter oder aufschwimmbarer Stoffe
- Sedimentation zur Abscheidung gebildeter Flocken
- Aktivkohleadsorption zur Reduktion organischer Spurenstoffe und Farbstoffe
Diese Verfahren reduzieren insbesondere:
- Farbigkeit
- Schwebstoffe
- CSB-Belastungen
- Polymeranteile
- schwer trennbare Inhaltsstoffe
Biologische Behandlung
Biologische Verfahren werden eingesetzt, wenn biologisch abbaubare organische Inhaltsstoffe vorhanden sind.
Typische Verfahren:
- Belebtschlammverfahren
- SBR-Anlagen
- MBR-Systeme (Membranbelebung)
- Nitrifikation und Denitrifikation
Membranbelebungsanlagen ermöglichen auch bei schwankenden Abwasserfrachten eine hohe Ablaufwasserqualität und kompakte Bauweisen.
Nachbehandlung
Zur weiteren Reinigung oder Wasserwiederverwendung können zusätzliche Verfahrensstufen eingesetzt werden.
Typische Verfahren:
- Sand- und Aktivkohlefiltration
- Ultrafiltration
- Nanofiltration
- Umkehrosmose
- Desinfektionsverfahren
Diese Technologien ermöglichen die Wiederverwendung von Prozesswasser und reduzieren den Frischwasserbedarf in der Produktion.
Welche Stoffe bzw. Parameter sind typisch?
Abwasser aus der Lackindustrie enthält abhängig von Produktionsprozess und Rezeptur unterschiedliche Inhaltsstoffe und Belastungen.
Typische Parameter sind:
- CSB (Chemischer Sauerstoffbedarf)
- BSB
- Schwebstoffe
- Farb- und Trübstoffe
- Pigmente und Füllstoffe
- Polymer- und Harzreste
- Tenside und Dispergiermittel
- Lösemittelspuren und VOC
- Stickstoffverbindungen
- pH-Schwankungen
- Silikone und Additive
Insbesondere wasserbasierte Lacke enthalten häufig hohe organische Belastungen durch Bindemittel, Dispersionsbestandteile und Additive.
Entsorgung und Wiederverwendung
Für Abwasser aus der Lackindustrie bestehen unterschiedliche Entsorgungs- und Wiederverwendungskonzepte.
Typische Wege sind:
- Einleitung in kommunale Kläranlagen nach Vorbehandlung
- dezentrale Behandlung in betrieblichen Abwasseranlagen
- Kreislaufführung von Reinigungs- und Spülwässern
- Wiederverwendung von Prozesswasser
- externe Entsorgung konzentrierter Reststoffe und Schlämme
Membranverfahren ermöglichen zusätzlich die Rückgewinnung von Wasser für technische Anwendungen innerhalb der Produktion.
Die Wiederverwendung erfolgt ausschließlich für industrielle Prozesszwecke und nicht zur Trinkwassererzeugung.
Industrielle Herausforderungen
Die Abwasserbehandlung in der Lackindustrie steht vor mehreren branchenspezifischen Herausforderungen.
Wasserbasierte Lacke und neue Rezepturen
Durch die zunehmende Umstellung auf wasserbasierte Lacke verändern sich die Zusammensetzung und biologische Abbaubarkeit der Abwasserströme. Moderne Lackrezepturen enthalten häufig komplexe Polymer- und Additivsysteme, die schwer behandelbar sein können.
Schwankende Abwasserfrachten durch Chargenproduktion
Die Lackproduktion erfolgt häufig im Batchbetrieb mit wechselnden Rezepturen, Farben und Rohstoffen. Dadurch entstehen stark schwankende CSB-Werte, Feststoffbelastungen und pH-Werte, die eine flexible und stabile Abwasserbehandlung erfordern.
Mikroplastik und Polymerpartikel
Bindemittel, Dispersionen und Harzsysteme können feine Polymerpartikel und Mikroplastikbestandteile in das Abwasser eintragen. Die Entfernung dieser Stoffe gewinnt aufgrund steigender regulatorischer Anforderungen zunehmend an Bedeutung.
VOC- und Lösemittelbelastungen
Bei lösemittelhaltigen Lacken und Reinigungsprozessen können flüchtige organische Verbindungen (VOC) auftreten. Diese Stoffe beeinflussen sowohl die Abluft- als auch die Abwasserbehandlung und stellen zusätzliche Anforderungen an Sicherheit und Verfahrenstechnik.
Wasserwiederverwendung und Kreislaufführung
Steigende Wasser- und Energiekosten erhöhen den Druck auf Produktionsstandorte, Prozesswasser mehrfach zu nutzen und Frischwasserverbräuche zu reduzieren. Membranverfahren und interne Kreislaufführung gewinnen deshalb in der Lackindustrie zunehmend an Bedeutung.
Gesetzliche Anforderungen
Die Behandlung von Abwasser aus der Lackindustrie unterliegt verschiedenen gesetzlichen und kommunalen Anforderungen.
Relevante Grundlagen sind:
Überwacht werden unter anderem:
- CSB
- pH-Wert
- Feststoffgehalt
- Stickstoffverbindungen
- organische Belastungen
- Temperatur
- Schwermetalle und weitere branchenspezifische Parameter
Die zulässigen Grenzwerte variieren abhängig von Standort, Produktionsart und Einleitweg.