Wasser- und Abwasserbehandlung für grünen Wasserstoff – Reinstwasser, Konzentrate und Kreislaufführung

Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser unter Einsatz erneuerbarer Energien erzeugt. Für den stabilen Betrieb industrieller Elektrolyseanlagen ist die Qualität des eingesetzten Wassers entscheidend: Benötigt wird Reinstwasser mit sehr niedriger Leitfähigkeit und minimalen Anteilen an Salzen, Silikaten und organischen Stoffen. Gleichzeitig entstehen in der Wasseraufbereitung Abwasserströme wie Umkehrosmose-Konzentrate, Rückspülwässer und Regenerate, die gezielt behandelt werden müssen.

Inhaltsverzeichnis

  • Was ist grüner Wasserstoff?
  • Wie entsteht grüner Wasserstoff?
  • Welche Aufgaben/Ziele erfüllt die Behandlung?
  • Wie funktioniert die Behandlung?
  • Welche Stoffe bzw. Parameter sind typisch?
  • Entsorgung und Wiederverwendung
  • Industrielle Herausforderungen
  • Gesetzliche Anforderungen
  • Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist grüner Wasserstoff?

Grüner Wasserstoff ist Wasserstoffgas, das durch die Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt wird. Der dafür benötigte Strom stammt ausschließlich aus erneuerbaren Energien.

Neben dem Elektrolyseprozess selbst spielt die Wassertechnik eine zentrale Rolle. Denn Elektrolyseure benötigen eine definierte Wasserqualität, um Scaling, Korrosion, Membranschäden und Effizienzverluste zu vermeiden.

Wie entsteht grüner Wasserstoff?

Die Erzeugung erfolgt in mehreren technischen Schritten. Zunächst wird Rohwasser aus Grund-, Oberflächen- oder Trinkwasserquellen zu Speisewasser aufbereitet. Dabei werden Partikel, Härtebildner, organische Stoffe und gelöste Salze entfernt.

Anschließend wird aus dem Speisewasser Reinstwasser erzeugt, meist durch eine Kombination aus Umkehrosmose (UO), Elektrodeionisation (EDI) und gegebenenfalls Ionenaustausch. Dieses Wasser wird im Elektrolyseur in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Danach folgen Gasaufbereitung, Trocknung, Druckanpassung und Speicherung.

Parallel entstehen Nebenströme aus der Wasseraufbereitung, insbesondere:

  • UO-Konzentrate mit erhöhter Salzfracht
  • Rückspülwässer aus Filtrationsstufen
  • Regenerate aus Ionenaustauschprozessen
  • Reinigungs- und Spülwässer aus Anlagenbetrieb

Aufgaben und Ziele der Wasser- und Abwasserbehandlung

Die Wasserbehandlung dient zunächst der sicheren Bereitstellung von Speise- und Reinstwasser für die Elektrolyse. Entscheidend sind stabile Parameter wie Leitfähigkeit, pH-Wert, Silikatgehalt und Härte.

Die Abwasserbehandlung verfolgt ergänzend das Ziel, Nebenströme aus der Aufbereitung kontrolliert zu behandeln. Dazu gehören die Reduktion von Salzfrachten, die Neutralisation saurer oder alkalischer Teilströme sowie die Minimierung von Reststoffen. Gleichzeitig soll durch Kreislaufführung der Frischwasserbedarf reduziert und die Einhaltung gesetzlicher Einleitbedingungen sichergestellt werden.

Wie funktioniert die Behandlung?

Aufbereitung zu Speisewasser

In der ersten Stufe wird das Rohwasser stabilisiert und vorgereinigt:

  • Filtration zur Entfernung von Schwebstoffen und Partikeln
  • Enthärtung oder Antiscalant-Dosierung zur Vermeidung von Scaling
  • Aktivkohlefiltration zur Reduktion organischer Stoffe und Oxidationsmittel

Herstellung von Reinstwasser

Für Elektrolyseure wird Wasser mit sehr geringer Leitfähigkeit benötigt. Typische Verfahren sind:

  • Umkehrosmose (UO) zur Abtrennung gelöster Salze
  • Elektrodeionisation (EDI) zur Feinentsalzung ohne chemische Regeneration
  • Ionenaustausch als ergänzende oder alternative Technologie

Behandlung von Abwasserströmen

Die entstehenden Nebenströme werden je nach Zusammensetzung behandelt:

  • Neutralisation saurer oder alkalischer Teilströme
  • Filtration und Sedimentation zur Feststoffabtrennung
  • Fällung/Flockung zur Entfernung gelöster Stoffe
  • Behandlung von UO-Konzentraten mit erhöhter Salzfracht
  • Reduktion und Rückführung von Rückspül- und Regeneratströmen
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Typische Parameter und Belastungen

Für die Wasserstoffproduktion sind zwei Bereiche relevant: die Qualität des Reinstwassers und die Zusammensetzung der Abwasserströme.

  • Im Speise- und Reinstwasser
  • Leitfähigkeit
  • Härtebildner wie Calcium und Magnesium
  • Silikate
  • TOC als Maß für organische Stoffe
  • Chlorid und Sulfat
  • pH-Wert
  • In den Abwasserströmen
  • erhöhte Salzfrachten aus UO-Konzentraten
  • Säuren und Laugen aus Regenerationsprozessen
  • Rückspülwässer aus Filtrationsstufen
  • Partikel und mögliche Metallionen
  • schwankende Konzentrationen je nach Rohwasser und Betriebsweise

Entsorgung und Wiederverwendung

Abwasser aus Elektrolyseanlagen entsteht überwiegend in der vorgeschalteten Wasseraufbereitung. Es wird abhängig von Standort, Salzfracht und Einleitbedingungen behandelt.

Typische Maßnahmen sind:

  • Neutralisation von pH-Schwankungen
  • Sedimentation oder Filtration zur Feststoffabtrennung
  • Behandlung von Konzentraten mit erhöhtem Salzgehalt
  • Einleitung in kommunale Systeme oder industrielle Vorfluter

Zunehmend wichtig ist die Wasserwiederverwendung. Geeignete Teilströme können in vorgelagerte Prozessstufen zurückgeführt oder mehrfach innerhalb der Anlage genutzt werden. Eine vollständige Wiederverwendung als Reinstwasser ist jedoch aufgrund der hohen Qualitätsanforderungen der Elektrolyse nur begrenzt möglich.

Industrielle Herausforderungen

Die Produktion von grünem Wasserstoff stellt hohe Anforderungen an Wasser- und Abwassertechnik. Besonders relevant ist der Wasserbedarf, der je nach Standort mit begrenzter regionaler Verfügbarkeit konkurrieren kann.

Weitere Herausforderungen sind:

  • große Mengen an UO-Konzentraten mit erhöhter Salzfracht
  • steigende Abwassermengen bei Großanlagen
  • schwankende Rohwasserqualitäten je nach Standort
  • konstante Reinstwasserqualität für stabile Elektrolyseprozesse
  • Minimierung von Abwasser durch optimierte Aufbereitung
  • Integration in bestehende Industrieinfrastruktur
  • Optimierung von Wasserverbrauch, Chemikalieneinsatz und Energiebedarf

Der Fokus liegt zunehmend auf ganzheitlichen Konzepten, die Wasseraufbereitung, Abwasserbehandlung und Kreislaufführung gemeinsam planen.

Gesetzliche Anforderungen

Für Elektrolyseanlagen und die zugehörige Abwasserbehandlung gelten verschiedene regulatorische Rahmenbedingungen:

  • Abwasserverordnung (AbwV) für industrielle Einleitungen
  • kommunale Einleitbedingungen für pH-Wert, CSB, Salzfracht und Temperatur
  • Wasserhaushaltsgesetz (WHG) für Wasserentnahme und Einleitung
  • Genehmigungsanforderungen für industrielle Großanlagen
  • europäische Vorgaben zur Klassifizierung von grünem Wasserstoff

Besonders relevant sind Grenzwerte für Salzfrachten und Konzentrate, da diese direkt aus der Wasseraufbereitung entstehen.

 

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