Mikroplastik

Mikroplastik umfasst sehr kleine Kunststoffpartikel, die in Gewässern, Prozesswässern und Abwässern nachweisbar sein können. Für die industrielle Wasser- und Abwassertechnik ist Mikroplastik relevant, weil die Partikel Umweltbelastungen verursachen und zusätzliche Anforderungen an Aufbereitung, Abwasserbehandlung und Wasserrecycling stellen. Mikroplastik gehört zur Gruppe der Mikroverunreinigungen und wird zunehmend im Zusammenhang mit Gewässerschutz, Kreislaufwirtschaft und industriellem Wassermanagement betrachtet. Die Partikel unterscheiden sich hinsichtlich Größe, Form, Dichte und Materialeigenschaften. Dadurch verhalten sie sich im Wasser unterschiedlich und erfordern je nach Herkunft und Reinigungsziel unterschiedliche Behandlungsstrategien.

Was ist Mikroplastik? 

Mikroplastik bezeichnet feste, wasserunlösliche Kunststoffpartikel mit einer Größe von weniger als fünf Millimetern. Die Partikel können aus unterschiedlichsten Polymerarten bestehen, beispielsweise Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), Polyethylenterephthalat (PET) oder Polyvinylchlorid (PVC). 

Grundsätzlich wird zwischen zwei Entstehungswegen unterschieden: 

  • Primäres Mikroplastik: Bereits in kleiner Größe hergestellt oder bewusst eingesetzt. 
  • Sekundäres Mikroplastik: Entsteht durch Abrieb, Alterung oder Zerfall größerer Kunststoffprodukte. 

Für die Wasser- und Abwassertechnik ist insbesondere relevant, dass Mikroplastik nicht nur in Oberflächengewässern, sondern auch in kommunalen und industriellen Abwasserströmen vorkommen kann. 

Entstehung und Eintragspfade 

Mikroplastik gelangt über zahlreiche Wege in Wasserkreisläufe. 

Primäre Quellen 

Primäres Mikroplastik entsteht beispielsweise durch: 

  • Kunststoffgranulate in Produktions- und Logistikprozessen 
  • industrielle Abrasiv- und Strahlmittel 
  • spezielle technische Anwendungen mit Kunststoffpartikeln 
  • Kunststoffverluste bei Transport und Handling 

Sekundäre Quellen 

Sekundäres Mikroplastik entsteht durch mechanische, thermische oder chemische Belastungen größerer Kunststoffprodukte. 

Typische Quellen sind: 

  • Reifenabrieb 
  • Abrieb von Kunststoffen in Produktionsanlagen 
  • Textilfasern aus synthetischen Geweben 
  • Verpackungen 
  • Folien 
  • Kunststoffe in Bau- und Infrastrukturmaterialien 

Industrielle Eintragspfade 

In Industrieabwässern kann Mikroplastik beispielsweise entstehen durch: 

  • Kunststoffverarbeitung 
  • Textilproduktion 
  • Lackier- und Beschichtungsprozesse 
  • Oberflächenbearbeitung 
  • Wasch- und Reinigungsprozesse 
  • Recyclinganlagen 
  • Produktionsverluste von Kunststoffgranulaten 

Die tatsächliche Konzentration und Partikelzusammensetzung hängen stark von Branche, Produktionsverfahren und innerbetrieblichen Rückhaltemaßnahmen ab. 

Verhalten von Mikroplastik in Wasser und Abwasser 

Das Verhalten von Mikroplastik wird durch mehrere Faktoren beeinflusst: 

Mikroplastik liegt meist nicht gelöst, sondern als Partikel vor. Im Abwasser können sich die Partikel an: 

  • Schwebstoffe 
  • Biomasse 
  • Flocken 
  • Sedimente 

anlagern. 

Dadurch werden sie teilweise bereits in mechanischen und biologischen Reinigungsstufen zurückgehalten. Gleichzeitig können sich Schadstoffe oder Mikroorganismen an Kunststoffoberflächen anlagern und mit den Partikeln transportiert werden. 

Auswirkungen auf Umwelt und Behandlungsanlagen 

Auswirkungen auf Gewässer 

Mikroplastik ist aufgrund seiner Persistenz von Bedeutung. Kunststoffe werden in natürlichen Gewässern nur sehr langsam abgebaut. 

Mögliche Auswirkungen sind: 

  • Anreicherung in Sedimenten 
  • Aufnahme durch Wasserorganismen 
  • Transport weiterer Schadstoffe 
  • langfristige Belastung aquatischer Ökosysteme 

Die tatsächlichen Umwelteffekte hängen von Partikelgröße, Polymerart, Konzentration und den jeweiligen Ökosystemen ab. 

Auswirkungen auf biologische Verfahren 

Biologische Reinigungsverfahren dienen primär dem Abbau gelöster organischer Stoffe und nicht dem biologischen Abbau von Mikroplastik. 

Mikroplastik wird überwiegend: 

  • an Belebtschlamm gebunden, 
  • in Biofilmen angereichert oder 
  • mit Überschussschlamm ausgeschleust. 

Die Partikel selbst werden dabei in der Regel nicht vollständig biologisch abgebaut. 

Auswirkungen auf chemisch-physikalische Verfahren 

Chemisch-physikalische Verfahren können Mikroplastik durch: 

indirekt entfernen. 

Die Wirksamkeit hängt davon ab, ob die Partikel ausreichend aggregiert und anschließend zuverlässig abgetrennt werden können. 

Auswirkungen auf Membranverfahren 

Membranverfahren gehören zu den wirksamsten Technologien für die Rückhaltung von Mikroplastik. 

Insbesondere: 

  • Mikrofiltration 
  • Ultrafiltration 
  • Membranbioreaktoren (MBR) 

können einen großen Teil der Partikel zurückhalten. 

Allerdings entstehen dabei Konzentrat- oder Schlammströme, in denen die zurückgehaltenen Partikel angereichert werden. 

Wie kann Mikroplastik entfernt werden? 

Die Auswahl geeigneter Verfahren richtet sich nach Partikelgröße, Konzentration und den Anforderungen an den Ablauf oder die Wasserwiederverwendung. 

Mechanische Verfahren 

Mögliche Vorbehandlungsstufen: 

  • Rechen 
  • Siebe 
  • Trommelfilter 
  • Feinfiltration 

Diese Verfahren entfernen vor allem größere Kunststoffpartikel. 

Chemisch-physikalische Verfahren 

Häufig eingesetzte Prozessschritte: 

  1. Koagulation 
  2. Flockung 
  3. Sedimentation oder Flotation 
  4. Schlammabtrennung 

Durch die Bildung größerer Agglomerate wird die Abscheidung kleiner Partikel erleichtert. 

Biologische Verfahren 

Biologische Anlagen können Mikroplastik teilweise mit dem Überschussschlamm austragen. Die eigentliche Reinigungsleistung entsteht jedoch überwiegend durch physikalische Rückhaltung und nicht durch biologischen Abbau. 

Membranverfahren 

Membranverfahren  werden häufig eingesetzt, wenn hohe Ablaufqualitäten oder Wasserrecycling angestrebt werden. 

Geeignete Technologien sind: 

  • Mikrofiltration 
  • Ultrafiltration 
  • Membranbioreaktoren 
  • nachgeschaltete Membranstufen in Recyclinganlagen 

Membranverfahren trennen die Partikel vom Wasserstrom, vernichten sie jedoch nicht. Der Umgang mit Konzentraten oder Schlämmen bleibt daher Teil des Gesamtkonzepts. Dies entspricht dem allgemeinen Trennprinzip industrieller Membranverfahren. 

Industrielle Herausforderungen 

Problem: Sehr unterschiedliche Partikeleigenschaften 

Ursache: Polymerart, Dichte, Form und Größe variieren stark. 

Auswirkung: Ein einzelnes Behandlungsverfahren kann nicht alle Partikelarten gleich gut entfernen. 

Technische Konsequenz: Anlagen müssen häufig mehrere Verfahrensstufen kombinieren. 

Lösungsansatz: Mehrstufige Konzepte aus Vorfiltration, Flockung und Filtration beziehungsweise Membrantechnik. 

Problem: Wasserrecycling und Kreislaufführung 

Ursache: Bei der Wiederverwendung von Wasser können Mikroplastikpartikel im Kreislauf akkumulieren. 

Auswirkung: Qualitätsprobleme im Prozesswasser  und potenzielle Beeinträchtigungen nachfolgender Anlagenteile. 

Technische Konsequenz: Höhere Anforderungen an Aufbereitungsstufen und Monitoring. 

Lösungsansatz: Zielgerichtete Partikelentfernung vor der Rückführung des Wassers in den Produktionsprozess. 

Problem: Reststoffmanagement 

Ursache: Die Partikel werden meist nicht zerstört, sondern in Schlämmen oder Konzentraten angereichert. 

Auswirkung: Die Belastung wird in einen Reststoffstrom verlagert. 

Technische Konsequenz: Schlammbehandlung und Entsorgung müssen berücksichtigt werden. 

Lösungsansatz: Integration des Reststoffmanagements in das Gesamtkonzept der Abwasserbehandlung. 

Gesetzliche und technische Anforderungen 

Mikroplastik wird auf europäischer und nationaler Ebene zunehmend im Zusammenhang mit Gewässerschutz, Kreislaufwirtschaft und Schadstoffeinträgen betrachtet. 

Die konkreten Anforderungen für industrielle Standorte können abhängig sein von: 

  • Branche 
  • Produktionsverfahren 
  • Genehmigungssituation 
  • Direkteinleitung oder Indirekteinleitung 
  • kommunalen Vorgaben 
  • standortspezifischen Auflagen 

Technisch gewinnt die Überwachung von Partikelfrachten, die Minimierung von Kunststoffverlusten sowie die Verbesserung von Rückhaltesystemen zunehmend an Bedeutung. 

Eine pauschale Aussage zu Grenzwerten oder verbindlichen Anforderungen ist nicht möglich, da diese je nach Rechtsrahmen und Anwendungsfall unterschiedlich ausfallen können.

Fazit 

Mikroplastik ist ein bedeutender Schadstoff und Kontaminant in Wasser- und Abwassersystemen. Die Partikel entstehen aus zahlreichen industriellen und nichtindustriellen Quellen und unterscheiden sich stark hinsichtlich Größe, Form und Materialeigenschaften. Für die industrielle Abwasserbehandlung stehen mechanische, chemisch-physikalische und membrantechnische Verfahren zur Verfügung, die Mikroplastik überwiegend durch physikalische Trennung zurückhalten. Eine vollständige Lösung umfasst jedoch nicht nur die Partikelentfernung, sondern auch die Vermeidung von Einträgen sowie den fachgerechten Umgang mit belasteten Schlämmen und Konzentraten. Insbesondere im Wasserrecycling und bei geschlossenen Wasserkreisläufen gewinnt die zuverlässige Rückhaltung von Mikroplastik zunehmend an Bedeutung. 

Häufig gestellte Fragen (FAQ) 

Was versteht man unter Mikroplastik? 

Mikroplastik sind feste Kunststoffpartikel mit einer Größe von weniger als fünf Millimetern. 

Kann Mikroplastik biologisch abgebaut werden? 

Die meisten Kunststoffe werden in biologischen Abwasseranlagen nicht vollständig abgebaut. Die Partikel werden überwiegend physikalisch zurückgehalten. 

Welche Industrien erzeugen mikroplastikhaltige Abwässer? 

Unter anderem Kunststoffverarbeitung, Textilindustrie, Recyclingbetriebe sowie Prozesse mit Kunststoffabrieb oder Kunststoffgranulaten. 

Welche Verfahren entfernen Mikroplastik besonders wirksam? 

Feinfiltration, Flockungsverfahren, Flotation sowie Mikrofiltration, Ultrafiltration und Membranbioreaktoren. 

Wird Mikroplastik in Membranverfahren zerstört? 

Nein. Die Partikel werden vom Wasser getrennt und in Konzentrat- oder Reststoffströmen angereichert. 

Warum ist Mikroplastik für Wasserrecycling relevant? 

Bei der Wiederverwendung von Wasser können sich Partikel im Kreislauf anreichern und zusätzliche Aufbereitungsanforderungen verursachen. 

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