Die kommunale Kläranlage übernimmt bei der Indirekteinleitung einen Teil der Reinigungsleistung. Dadurch können andere Anforderungen gelten als bei einer Direkteinleitung. Gleichzeitig dürfen industrielle Abwässer die Funktionsfähigkeit der öffentlichen Abwasseranlage nicht beeinträchtigen.
Anforderungen an industrielle Indirekteinleiter
Nicht jedes Industrieabwasser kann ohne Vorbehandlung in eine kommunale Kläranlage eingeleitet werden.
Vor allem folgende Belastungen können eine Vorbehandlung erforderlich machen:
- hohe CSB- und BSB₅-Frachten
- hohe Konzentrationen an Ölen und Fetten
- starke pH-Wert-Schwankungen
- hohe Temperaturen
- Schwermetalle
- erhöhte Salzgehalte
- toxische oder biologisch hemmende Inhaltsstoffe
Je nach Abwasserbeschaffenheit kommen beispielsweise folgende Vorbehandlungsverfahren zum Einsatz:
Chemisch-physikalische Verfahren
Biologische Vorbehandlung
Membranverfahren
- Ultrafiltration
- Nanofiltration
- Umkehrosmose
Welches Verfahren erforderlich ist, hängt von den lokalen Anforderungen und den Eigenschaften des Abwassers ab.
Bedeutung für die industrielle Abwasserbehandlung
Für viele Industrieunternehmen stellt die Indirekteinleitung die wirtschaftlich und technisch praktikabelste Form der Abwasserentsorgung dar.
Die Eignung einer Indirekteinleitung wird insbesondere bestimmt durch:
- Zusammensetzung des Abwassers
- Belastbarkeit der kommunalen Kläranlage
- vorhandene Vorbehandlungsstufen
- kommunale Einleitbedingungen
- Anforderungen aus Genehmigungen und Satzungen
In der Praxis werden häufig Ausgleichs- und Pufferspeicher eingesetzt, um Belastungsspitzen bei Menge, Temperatur oder Fracht zu reduzieren. Dadurch lassen sich Schwankungen im Zulauf der öffentlichen Kläranlage vermeiden.
Industrielle Herausforderungen
Schwankende Belastungen und Produktionsspitzen
Problem: Produktionsbetriebe erzeugen häufig stark schwankende Abwassermengen und -frachten.
Ursache: Chargenbetrieb, Reinigungsprozesse oder Produktwechsel.
Auswirkung: Überlastung von Kanalisation oder kommunaler Kläranlage.
Technische Konsequenz: Anforderungen an Pufferung, Homogenisierung und Vorbehandlung steigen.
Lösungsansatz: Einsatz von Misch- und Ausgleichsbecken sowie kontinuierliche Überwachung der Abwasserqualität.
Hemmstoffe für biologische Klärprozesse
Problem: Bestimmte Industrieabwässer enthalten Stoffe, die biologische Reinigungsprozesse beeinträchtigen können.
Ursache: Schwermetalle, Biozide, Lösemittel oder hohe Salzfrachten.
Auswirkung: Verminderte Reinigungsleistung der kommunalen Kläranlage.
Technische Konsequenz: Zusätzliche Vorbehandlungsstufen können erforderlich werden.
Lösungsansatz: Stoffstromtrennung, chemisch-physikalische Vorbehandlung oder produktionsintegrierte Maßnahmen.
Zunehmende Anforderungen an Mikroschadstoffe
Problem: Kommunale Betreiber und Behörden beobachten zunehmend schwer abbaubare Spurenstoffe.
Auswirkung: Höhere Anforderungen an Einleitung und Überwachung.
Technische Konsequenz: Erweiterte Analytik sowie zusätzliche Reinigungsstufen können notwendig werden.
Fazit
Die Indirekteinleitung ist die Einleitung von Abwasser in eine öffentliche Abwasseranlage oder kommunale Kläranlage und stellt für viele Industrie- und Gewerbebetriebe den üblichen Entsorgungsweg dar. Entscheidend sind die Einhaltung der wasserrechtlichen Anforderungen sowie der kommunalen Einleitbedingungen. Die Qualität des eingeleiteten Abwassers beeinflusst unmittelbar die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Abwasserinfrastruktur. Deshalb spielen geeignete Vorbehandlungsmaßnahmen, eine sichere Prozessführung und eine kontinuierliche Überwachung eine wichtige Rolle. Die konkrete Ausgestaltung der Anforderungen hängt stets von Standort, Branche, Abwasserzusammensetzung und Genehmigungssituation ab.