Flotation

Die Flotation ist ein chemisch-physikalisches Trennverfahren zur Entfernung von Feststoffen, Fetten, Ölen und ausgeflockten Partikeln aus Wasser und Abwasser. In der industriellen Abwasserbehandlung wird sie eingesetzt, wenn Stoffe aufgrund ihrer Dichte oder Partikelgröße nur unzureichend sedimentieren. Flotationsverfahren gehören zu den wichtigsten mechanisch-physikalischen Abscheidetechnologien innerhalb industrieller Behandlungskonzepte. Sie werden in zahlreichen Branchen eingesetzt, darunter Lebensmittelindustrie, Metallverarbeitung, Chemie, Recyclingwirtschaft und Oberflächentechnik. Besonders verbreitet ist die Druckentspannungsflotation (DAF), die mit Fällungs- und Flockungsprozessen kombiniert wird, um fein verteilte oder emulgierte Stoffe aus dem Abwasser zu entfernen. Fällung/Flockung und Flotation sind chemisch-physikalische Verfahren, die innerhalb der Produktfamilie Envochem® umgesetzt werden.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Flotation? 
  2. Wie funktioniert eine Flotation? 
  3. Aufbau und wesentliche Komponenten 
  4. Einsatzbereiche der Flotation 
  5. Relevante Betriebsparameter und Einflussfaktoren 
  6. Vorteile und technische Grenzen 
  7. Kombination mit anderen Verfahren 
  8. Industrielle Herausforderungen 
  9. Fazit 
  10. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist Flotation? 

Flotation  ist ein Trennverfahren, bei dem feine Gasblasen an Partikel, Flocken oder Öltröpfchen anhaften. Die beladenen Gasblasen erzeugen einen Auftrieb, sodass die Stoffe an die Wasseroberfläche transportiert werden. Dort werden sie als Schwimmschlamm oder Flotat mechanisch entfernt. 

Im Unterschied zur Sedimentation werden Stoffe nicht durch Absinken, sondern durch Aufschwimmen abgeschieden. Dadurch eignet sich die Flotation insbesondere für: 

  • leichte oder schwimmfähige Stoffe 
  • Fette und Öle 
  • emulgierte Kohlenwasserstoffe 
  • feine Feststoffe 
  • ausgefällte Schwermetalle 
  • ausgeflockte Phosphorverbindungen 
  • schwer sedimentierbare Partikel 

Die in der industriellen Wasser- und Abwassertechnik am häufigsten eingesetzte Variante ist die Druckentspannungsflotation (DAF). 

Wie funktioniert eine Flotation? 

Das Grundprinzip beruht auf der Anlagerung von Mikroblasen an abzutrennende Stoffe. 

Der Prozess läuft typischerweise in folgenden Schritten ab: 

  1. Das Abwasser wird der Flotationsanlage zugeführt. 
  2. Falls erforderlich erfolgt eine chemische Vorbehandlung durch Koagulation, Fällung oder Flockung. 
  3. Ein Teilstrom wird mit Luft unter Druck gesättigt. 
  4. Durch Druckentspannung entstehen zahlreiche feine Mikroblasen. 
  5. Die Mikroblasen lagern sich an die Partikel oder Öltröpfchen an. 
  6. Die beladenen Partikel steigen an die Wasseroberfläche auf. 
  7. Ein Räumsystem entfernt den entstehenden Flotatschlamm. 
  8. Das geklärte Wasser wird der nächsten Behandlungsstufe zugeführt. 

Die Wirksamkeit hängt wesentlich von der Bildung ausreichend kleiner Luftblasen und einem guten Kontakt zwischen Blasen und Partikeln ab. 

Aufbau und wesentliche Komponenten 

Eine Flotationsanlage besteht in der Regel aus mehreren funktionalen Einheiten: 

Einsatzbereiche der Flotation 

Die Flotation wird eingesetzt, wenn suspendierte Stoffe oder emulgierte Verunreinigungen möglichst effektiv und platzsparend entfernt werden sollen. 

Typische Anwendungen sind: 

Lebensmittel- und Getränkeindustrie 

  • Entfernung von Fetten und Ölen 
  • Reduzierung von AFS (abfiltrierbare Stoffe) 
  • Entlastung biologischer Reinigungsstufen 

Metallverarbeitung 

  • Abtrennung von Metallhydroxidflocken 
  • Entfernung von Bearbeitungsölen 
  • Behandlung galvanischer Abwässer 

Chemische Industrie 

  • Entfernung schwer sedimentierbarer Feststoffe 
  • Vorbehandlung vor biologischen Verfahren 
  • Reduzierung von Schadstofffrachten 

Recycling- und Entsorgungswirtschaft 

  • Behandlung ölhaltiger Prozessabwässer 
  • Trennung feiner Feststoffe 
  • Aufbereitung von Waschwässern 

Relevante Betriebsparameter und Einflussfaktoren 

Die Leistungsfähigkeit einer Flotation wird durch mehrere Faktoren beeinflusst. 

Partikeleigenschaften 

Entscheidend sind: 

  • Partikelgröße 
  • Partikeldichte 
  • Oberflächeneigenschaften 
  • Hydrophobie beziehungsweise Benetzbarkeit 

Chemische Konditionierung 

Häufig werden eingesetzt: 

  • Fällungsmittel 
  • Koagulantien 
  • Flockungsmittel 

Diese Stoffe vergrößern Partikelverbände und verbessern die Anlagerung der Mikroblasen. 

Luftblasenqualität 

Wichtige Einflussgrößen sind: 

  • Blasengröße 
  • Anzahl der Blasen 
  • Luft-Wasser-Verhältnis 
  • Druck im Sättigungssystem 

Zu große Luftblasen verringern die Trennleistung. 

Hydraulische Bedingungen 

  • Verweilzeit 
  • Oberflächenbelastung 
  • Durchflusskonstanz 
  • Strömungsführung 

Ungünstige Strömungsverhältnisse können bereits abgeschiedene Stoffe wieder in das Wasser eintragen. 

Vorteile und technische Grenzen 

Vorteile 

  • Hohe Abscheideleistung für Fette und Öle 
  • Gute Entfernung feiner Feststoffe 
  • Relativ kompakte Bauweise 
  • Schnelle Reaktion auf Lastschwankungen 
  • Geeignet als Vorbehandlung vor biologischen oder membrantechnischen Verfahren 
  • Verringerung von Feststoff-, CSB- oder Schwermetallfrachten 

Technische Grenzen 

  • Gelöste Stoffe werden nicht entfernt. 
  • Für stabile Emulsionen ist eine chemische Vorbehandlung erforderlich. 
  • Die Leistungsfähigkeit hängt stark von der Wasserzusammensetzung ab. 
  • Chemikalienverbrauch und Schlammaufkommen können beträchtlich sein. 
  • Nicht jedes Abwasser eignet sich ohne verfahrenstechnische Anpassungen für eine Flotation. 

Kombination mit anderen Verfahren 

Flotationen werden selten als alleinige Behandlungsstufe eingesetzt. 

Typische Verfahrensketten sind: 

Chemisch-physikalische Vorbehandlung 

Diese Kombination wird zur Entfernung von Schwermetallen, Phosphorverbindungen oder Feststoffen eingesetzt. Die Verfahrenskette aus Neutralisation, Fällung, Flockung und Flotation gehört zu den chemisch-physikalischen Behandlungsverfahren und wird innerhalb der Produktfamilie Envochem® umgesetzt. 

Flotation und biologische Behandlung 

Die Flotation reduziert Feststoffe sowie Fett- und Ölbelastungen. Dadurch werden biologische Behandlungsstufen entlastet und Betriebsstörungen verringert. 

Biologische Verfahren werden in der industriellen Abwasserbehandlung zur Entfernung biologisch abbaubarer organischer Stoffe eingesetzt. Aerobe und anaerobe biologische Verfahren werden innerhalb der Produktfamilie Biomar® umgesetzt. 

Flotation und Membrantechnik 

Als Vorbehandlung vor Mikrofiltration, Ultrafiltration oder Umkehrosmose dient die Flotation dazu:  

  • Fouling reduzieren 
  • Feststoffeinträge vermindern 
  • die Betriebssicherheit nachfolgender Membranprozesse verbessern 

Membranverfahren wie Mikrofiltration, Ultrafiltration, Nanofiltration und Umkehrosmose werden innerhalb der Produktfamilie Envopur® umgesetzt. 

Flotation und Wasserrecycling 

In Wasserrecycling- und Water-Reuse-Konzepten dient die Flotation als frühe Reinigungsstufe zur Entfernung suspendierter Stoffe vor weitergehenden Aufbereitungsverfahren. Industrielle Wasseraufbereitung, Abwasserbehandlung und Wasserrecycling werden in mehrstufigen Behandlungskonzepten kombiniert. 

Industrielle Herausforderungen 

Schwankende Abwasserzusammensetzungen 

Problem: Schwankende Konzentrationen von Feststoffen, Fetten oder Ölen. 

Ursache: Chargenbetrieb, Produktionswechsel oder Reinigungsprozesse. 

Auswirkung: Veränderliche Flockenbildung und schwankende Trennleistung. 

Technische Konsequenz: Erhöhter Regelungs- und Überwachungsaufwand. 

Möglicher Lösungsansatz: Homogenisierung und an die Wasserqualität angepasste Chemikaliendosierung. 

Stabile Emulsionen 

Problem: Fein dispergierte oder emulgierte Öle lassen sich schwer abscheiden. 

Ursache: Tenside oder Prozesschemikalien stabilisieren die Öltröpfchen. 

Auswirkung: Verminderte Flotationsleistung. 

Technische Konsequenz: Erhöhter Chemikalienbedarf. 

Möglicher Lösungsansatz: Geeignete Koagulations- und Flockungskonzepte. 

Schlammmanagement 

Problem: Bei der Flotation entsteht Flotatschlamm. 

Ursache: Abgeschiedene Feststoffe und eingesetzte Fällungs- beziehungsweise Flockungsmittel. 

Auswirkung: Entsorgungs- oder Behandlungsaufwand. 

Technische Konsequenz: Zusätzliche Anforderungen an Eindickung und Entwässerung. 

Möglicher Lösungsansatz: Optimierung der Chemikaliendosierung und angepasste Schlammbehandlung.

Fazit 

Die Flotation ist ein etabliertes chemisch-physikalisches Verfahren zur Entfernung von Feststoffen, Fetten, Ölen und ausgeflockten Partikeln aus industriellen Abwässern. Besonders die Druckentspannungsflotation ermöglicht eine wirksame Abtrennung schwer sedimentierbarer Stoffe und wird  mit Fällungs-, Flockungs-, biologischen und membrantechnischen Verfahren kombiniert. Ihre Leistungsfähigkeit hängt wesentlich von der Wasserbeschaffenheit, der Bildung geeigneter Flocken sowie den hydraulischen Betriebsbedingungen ab. Für Wasserrecycling- und Abwasserbehandlungskonzepte stellt die Flotation häufig eine wichtige Vorbehandlungsstufe dar, ersetzt jedoch keine Verfahren zur Entfernung gelöster Inhaltsstoffe.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) 

Was ist der Unterschied zwischen Flotation und Sedimentation? 

Bei der Sedimentation sinken Partikel aufgrund ihrer Dichte ab. Bei der Flotation steigen Partikel durch den Auftrieb von Luftblasen an die Oberfläche. 

Welche Stoffe können durch Flotation entfernt werden? 

Vor allem Fette, Öle, suspendierte Feststoffe, ausgefällte Schwermetalle, Flocken sowie weitere schwer sedimentierbare Partikel. 

Was bedeutet DAF? 

DAF steht für „Dissolved Air Flotation“ (Druckentspannungsflotation). Dabei wird Luft unter Druck im Wasser gelöst und anschließend als Mikroblasen freigesetzt. 

Ist eine Flotation ohne Chemikalien möglich? 

Ja, bei bestimmten Anwendungen. Viele industrielle Abwässer benötigen jedoch eine Vorbehandlung durch Koagulation oder Flockung, um ausreichend große und abscheidbare Partikel zu erzeugen. 

Kann Flotation für Wasserrecycling eingesetzt werden? 

Ja. Häufig dient sie als Vorbehandlung vor Filtration, biologischer Behandlung oder Membrantechnik in Wasserrecycling- und Water-Reuse-Systemen. 

Entfernt die Flotation gelöste Salze oder gelöste organische Stoffe? 

Nein. Gelöste Inhaltsstoffe werden durch Flotation grundsätzlich nicht entfernt und erfordern andere Verfahren, beispielsweise biologische Prozesse, Adsorptionsverfahren oder Membrantechnik.

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