Transportabwasser

Transportabwasser bezeichnet Abwasser, das bei der Reinigung, Wartung und Instandhaltung von Transportmitteln sowie deren Infrastruktur entsteht. Dazu zählen Fahrzeugwaschanlagen, Zugwaschanlagen, Werkstätten, Busdepots, Logistikzentren, Hafenanlagen und schiffsnahe Betriebsbereiche. Typische Belastungen sind Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), Feststoffe, Schwermetalle, Tenside, Reinigungschemikalien sowie Salzfrachten aus dem Winterbetrieb. Ohne geeignete Behandlung können diese Stoffe zu Umweltbelastungen, Betriebsstörungen in Kanalnetzen und Überschreitungen behördlicher Einleitgrenzwerte führen. Die Behandlung von Transportabwasser ist daher ein wichtiger Bestandteil der industriellen Abwasserbehandlung und gewinnt durch Wasserrecycling, Kreislaufwirtschaft und steigende Anforderungen an die Ressourceneffizienz zunehmend an Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Transportabwasser?
  2. Wie entsteht Transportabwasser?
  3. Welche Aufgaben und Ziele erfüllt die Behandlung?
  4. Wie funktioniert die Behandlung?
  5. Welche Stoffe bzw. Parameter sind typisch?
  6. Entsorgung und Wiederverwendung
  7. Industrielle Herausforderungen
  8. Gesetzliche Anforderungen
  9. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist Transportabwasser?

Transportabwasser umfasst sämtliche Abwasserströme, die bei der Reinigung und Instandhaltung von Transportmitteln entstehen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Pkw-, Lkw- und Buswaschanlagen
  • Schienenfahrzeug- und Zugwaschanlagen
  • Werkstätten für Fahrzeuge und Bahnen
  • Hafen- und Umschlaganlagen
  • Schiffsreinigung und Deckwäsche
  • Tank- und Betankungsbereiche

Die Zusammensetzung des Abwassers hängt stark vom jeweiligen Verkehrssegment, den eingesetzten Reinigungsmitteln und den anhaftenden Verschmutzungen ab.

Wie entsteht Transportabwasser?

Transportabwasser entsteht in unterschiedlichen Prozessen:

Fahrzeug- und Zugwäsche

Bei der Außen- und Unterbodenwäsche werden Schmutz, Staub, Reifenabrieb, Bremsabrieb, Ölrückstände und Streusalz von den Fahrzeugoberflächen entfernt.

Werkstattbetrieb

In Werkstätten gelangen Schmierstoffe, Hydrauliköle, Kraftstoffreste, Kühlmittel und Metallpartikel in die Abwasserströme.

Innenreinigung

Die Reinigung von Fahrgastbereichen erzeugt Abwasser mit Tensiden, Reinigungsmitteln und teilweise Desinfektionsmitteln.

Schifffahrt und Hafenbetrieb

Hier entstehen unter anderem:

  • Deckwaschwasser
  • Bilgenwasser aus Maschinenräumen
  • Umschlagsabwässer aus Hafenbereichen

Bilgenwasser ist ein ölhaltiges Gemisch aus Wasser, Schmierstoffen und Betriebsstoffen, das sich im unteren Bereich eines Schiffes sammelt.

Winterbetrieb

Im Winter gelangen erhöhte Mengen an Chlorid und Sulfat durch Streusalz sowie Straßenablagerungen in das Abwasser.

Welche Aufgaben/Ziele erfüllt die Behandlung?

Die Behandlung von Transportabwasser verfolgt mehrere Ziele:

  • Entfernung von Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW)
  • Reduktion abfiltrierbarer Stoffe (AFS)
  • Verringerung des chemischen Sauerstoffbedarfs (CSB)
  • Entfernung von Tensiden und Reinigungschemikalien
  • Rückhalt von Schwermetallen
  • Stabilisierung des pH-Werts
  • Einhaltung von Einleitgrenzwerten
  • Ermöglichung von Wasserrecycling und Kreislaufführung

Wie funktioniert die Behandlung?

Die Aufbereitung erfolgt meist mehrstufig.

1. Vorbehandlung

Zunächst werden grobe Feststoffe entfernt.
Typische Verfahren sind:

  • Siebe
  • Rechen
  • Sandfang
  • Absetzbecken

Freie Öle werden anschließend in Leichtflüssigkeitsabscheidern nach DIN EN 858 abgeschieden.

2. Chemisch-physikalische Behandlung

Emulsionsspaltung
Viele Waschchemikalien enthalten Tenside, die Öl-Wasser-Emulsionen stabilisieren. Durch eine
gezielte pH-Wert-Anpassung und die Dosierung geeigneter Fällungs- und Flockungsmittel werden
diese Emulsionen aufgebrochen.

Fällung und Flockung
Gelöste oder fein verteilte Stoffe werden in größere Flocken überführt.

Sedimentation
Schwere Partikel und Flocken setzen sich aufgrund der Schwerkraft ab.

Flotation (DAF)
Bei der Druckentspannungsflotation werden feine Luftblasen erzeugt, die Öltröpfchen und leichte Partikel an die Oberfläche transportieren.

3. Filtration

Zur Feinreinigung werden häufig eingesetzt:

  • Sandfilter
  • Mehrschichtfilter
  • Scheibenfilter
  • Ultrafiltration

4. Nachbehandlung

Abhängig von den Anforderungen können zusätzliche Verfahren folgen:

  • Aktivkohleadsorption
  • Ionenaustausch
  • TeilentsalzungpH-Wert-Korrektur
  • pH-Wert-Korrektur

Welche Stoffe bzw. Parameter sind typisch?

Parameter und deren typischen Herkunft

  • MKW: Kraftstoffe, Schmierstoffe, Hydrauliköle
  • AFS: Staub, Sand, Reifen- und Bremsabrieb
  • CSB: Tenside, Reinigungsmittel, organische Stoffe
  • Schwermetalle: Abrieb und Korrosion
  • Tenside: Wasch- und Reinigungschemikalien
  • Chlorid: Streusalz
  • Sulfat: Straßen- und Infrastrukturablagerungen
  • Leitfähigkeit: Gelöste Salze
  • pH-Wert: Reinigungschemikalien und Prozessführung

Entsorgung und Wiederverwendung

Aufbereitetes Transportabwasser kann häufig wiederverwendet werden.

Typische Anwendungen sind:

  • Vorwäsche
  • Unterbodenwäsche
  • Vorspülprozesse
  • Technische Reinigungsstufen

Moderne Kreislaufwassersysteme kombinieren häufig:

  • Sedimentation
  • Flotation
  • Filtration
  • Membranfiltration

Dadurch kann der Frischwasserbedarf deutlich reduziert werden.

Industrielle Herausforderungen

Wasserrecycling bei steigender Wasserknappheit

Problem: Hoher Wasserverbrauch in Waschanlagen.
Ursache: Große Wassermengen für Fahrzeug- und Zugreinigung.
Auswirkung: Steigende Kosten und zunehmender Ressourcendruck.
Technische Konsequenz: Höhere Anforderungen an Kreislaufsysteme.
Lösungsansatz: Mehrstufige Aufbereitung mit Filtration, Flotation und Membrantechnik.

Hohe Salzfrachten im Winterbetrieb

Problem: Erhöhte Chloridkonzentrationen.
Ursache: Streusalzeinsatz im Straßen- und Schienenverkehr.
Auswirkung: Korrosion und eingeschränkte Wiederverwendbarkeit des Wassers.
Technische Konsequenz: Höhere Anforderungen an Werkstoffe und Aufbereitung.
Lösungsansatz: Teilstrombehandlung, Überwachung der Leitfähigkeit und angepasste Kreislaufführung.

Schwankende Belastungen

Problem: Starke Lastschwankungen.
Ursache: Unterschiedliche Fahrzeugtypen, Verschmutzungsgrade und Wetterbedingungen.
Auswirkung: Instabile Reinigungsleistung.
Technische Konsequenz: Bedarf an Pufferkapazitäten und Prozessüberwachung.
Lösungsansatz: Ausgleichsbehälter, Online-Monitoring und automatische Dosiersteuerungen.

Gesetzliche Anforderungen

Für Transportabwasser gelten abhängig vom Standort und der Art der Einleitung verschiedene rechtliche Anforderungen.

  • Relevant sind insbesondere:
  • Abwasserverordnung (AbwV)
  • Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
  • kommunale Einleitbedingungen
  • landesspezifische wasserrechtliche Vorgaben
  • Gefahrstoff- und Abfallrecht für Schlämme und Ölfraktionen

Die konkreten Grenzwerte werden in der Regel durch die zuständige Behörde oder den Kanalnetzbetreiber festgelegt.

Fazit

Transportabwasser entsteht bei der Reinigung und Instandhaltung von Fahrzeugen, Schienenfahrzeugen und Schiffen. Die Abwasserströme enthalten häufig Öle, Feststoffe, Tenside, Schwermetalle und Salzfrachten, die vor einer Einleitung oder Wiederverwendung entfernt werden müssen. Je nach Belastung kommen Ölabscheider, Fällung und Flockung, Flotation, Filtration sowie weitergehende Aufbereitungsverfahren zum Einsatz. Durch Wasserrecycling und Kreislaufführung kann der Frischwasserverbrauch vieler Transport- und Waschanlagen deutlich reduziert werden, wodurch Transportabwasser zu einem wichtigen Anwendungsbereich der industriellen Wasser- und Abwassertechnik wird.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist Transportabwasser?

Transportabwasser entsteht bei der Reinigung, Wartung und Instandhaltung von Fahrzeugen, Schienenfahrzeugen und Schiffen.

Welche Schadstoffe enthält Transportabwasser?

Typische Inhaltsstoffe sind Öle, MKW, Feststoffe, Schwermetalle, Tenside, Reinigungsmittel sowie Salzfrachten.

Warum reicht ein Ölabscheider oft nicht aus?

Ölabscheider entfernen hauptsächlich freies Öl. Emulgierte Öle und gelöste Inhaltsstoffe erfordern zusätzliche Behandlungsverfahren wie Fällung, Flotation oder Filtration.

Kann Transportabwasser wiederverwendet werden?

Ja. Nach geeigneter Aufbereitung kann das Wasser häufig für Vorwäsche, Unterbodenwäsche oder andere technische Reinigungsprozesse genutzt werden.

Was ist Bilgenwasser?

Bilgenwasser ist ein ölhaltiges Wasser-Gemisch aus dem Maschinenraum eines Schiffes, das Schmierstoffe, Kraftstoffreste und weitere Betriebsstoffe enthalten kann.

Welche Parameter werden typischerweise überwacht?

Häufig überwacht werden MKW, AFS, CSB, pH-Wert, Leitfähigkeit, Tenside, Schwermetalle sowie Chlorid- und Sulfatkonzentrationen.

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