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UMWELT
Interview „Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Wasser- und Abwassertechnik"
Im Rahmen ihrer Ausbildung bei EnviroChemie, befragt Kirsten Recklies den Vorsitzenden der Geschäftsleitung, Gottlieb Hupfer, über die Aktivitäten der EnviroWorld Gruppe zum Thema „Klimaschutz und nachhaltige Technologien.“
Recklies:
Was hat Klimaschutz mit Wasser- und Abwassertechnik zu tun?
Hupfer:
Wasser- und abwassertechnische Anlagen der EnviroChemie stehen bei mehreren tausend Kunden weltweit. Sie sind praktisch rund um die Uhr im Einsatz und benötigen während der Benutzung Ressourcen wie elektrischen Strom, Neutralisations- und Flockungsmittel. Sie erzeugen natürlich auch Reststoffe, die aus dem Wasser oder Abwasser herausgefiltert werden. Es kommt darauf an, die bestehenden Anlagen so klimaschonend wie möglich zu betreiben und gleichzeitig neue Anlagen so zu entwickeln und zu bauen, dass sie hocheffizient im Energieverbrauch sind, aber trotzdem im Reinigungsergebnis die volle Effizienz haben.
Recklies:
Welche energieschonenden Technologien wurden bei uns in den letzen drei Jahren entwickelt?
Hupfer:
Der wesentliche Impuls kam sicherlich durch unsere neu entwickelten, anaeroben Abwasserreinigungssysteme Biomar, die es erlauben, aus Industrieabwasser Energie zu gewinnen. Daneben haben wir ein neues, patentiertes membrantechnisch-biologisches Recyclingverfahren für Großwäschereien. Dort werden Wasser und auch Wärme zurückgeführt. Unsere bewährten chemisch-physikalischen Kompaktanlagen haben wir energietechnisch optimiert und arbeiten an weiteren Verbesserungen.
Recklies:
Herr Hupfer, können Sie mir ein konkretes Beispiel erläutern, bei dem besonders viel Energie eingespart wird?
Hupfer:
Bei unserem Kunden, der Großmolkerei Normejerier in Schweden, fällt in der Milchverarbeitung hoch konzentriertes Milch- und Molkeabwasser an, welches bisher in der kommunalen Kläranlage gereinigt wurde. Dadurch sind hohe Kosten für den Strom der Belüftungsanlagen entstanden und gleichzeitig wurde viel Klärschlamm produziert. Wir haben dort vor drei Jahren unseren ersten speziell für konzentrierte Molkeabwässer konzipierten, Biomar Reaktor installiert, in dem die Abwässer biologisch behandelt werden. In der Zwischenzeit wurde er weiter optimiert. Jetzt wird das Milchabwasser und das Molkekonzentrat vor Ort in unserer Anlage vergoren und die Abwasserbelastung um bis zu 90 % reduziert. In unseren Biomar Anlagen wandeln Anaerobbakterien die organischen Abwasserinhaltsstoffe biologisch in Methangas um. Das aufbereitete Methangas wird dann in der Energiezentrale der Großmolkerei als Ersatz für Heizöl eingesetzt. So können über 1000 Liter Heizöl pro Tag eingespart werden. Aus der bisher negativen Energiebilanz der Abwasserbehandlung ist jetzt eine positive Energiebilanz geworden.
Recklies:
Kann man auch bestehende alte Anlagen modernisieren und ist das teuer?
Hupfer:
Grundsätzlich kann man an fast allen älteren Anlagen Optimierungen vornehmen und so schnell 20% Energie und Verbrauchsmittel sparen. Die Kosten holt man oft schon innerhalb eines Jahres heraus. Viele bestehenden Anlagen sind gerade jetzt in der Wirtschaftskrise, wo viele Firmen wenig produzieren, etwas zu groß dimensioniert. Durch Anpassung des Energieverbrauchs der Aggregate, wie Belüftungsgebläse, Rührwerke usw., kann man hier schnell viel Geld sparen. Die Investitionen sind eigentlich immer innerhalb von drei Jahren wieder drin. Manchmal lohnt es sich, ältere, nicht mehr der Betriebsgröße und Qualitätsanforderungen passende Anlagen auszutauschen und durch ein passendes Equipment zu ersetzten. Hier hat der Kunde zwar etwas längere Amortisationszeiten, aber auch langfristige Vorteile.
Recklies:
Was können die Kunden vor Ort selbst tun, um Anlagen energieschonend zu betreiben?
Hupfer:
Für unsere Kunden sind Wasser- und Abwasseranlagen eigentlich sehr nebensächlich. Dadurch kann es leicht passieren, dass sie fast vergessen werden und nur schlecht betreut sind. Unsere Servicetechniker finden dann unnötig im Leerlauf arbeitete Pumpen, Rührwerke und Kompressoren vor. Durch regelmäßige Anlagenüberprüfung und vielleicht auch unter zu Hilfenahme unserer Spezialisten, kann dann sehr schnell viel Geld gespart werden.
Recklies:
Was erforscht EnviroChemie aktuell?
Hupfer:
Wir sind in verschiedenen wichtigen Forschungsprojekten aktiv. Im europäischen Verbunds- programm AquaFit4use z.B. werden energieschonende Recyclingmethoden für Industrieabwässer weiterentwickelt. Wir arbeiten hier mit vielen wichtigen nationalen und europäischen Hochschulen, Firmen und Institutionen zusammen. Ingenieure, Chemiker und Biologen testen gerade verschiedene neuentwickelte biologische Kompaktanlagen für die energieeffiziente Reinigung auch kleiner Abwassermengen. Biologische Verfahren sind fast immer die energieschonendsten Verfahren. Sie müssen aber für die Anwendungsfälle maßgeschneidert sein. Bei der chemisch-physikalischen Wasseraufbereitung und Filtration arbeiten wir daran, mit niedrigen Drücken und optimierter Pump- und Rührtechnik zu arbeiten. Auch die lastabhängige Steuerung der Aggregate ist ein großes Thema. Hier haben die Systementwickler und Elektroplaner noch eine lange Aufgabenliste.
Recklies:
Herr Hupfer, ich danke Ihnen für das Gespräch.